Autor: FraktionFAMILIE
Haushaltsrede zum Haushalt 2026
Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
wenn wir heute über den Haushalt der Stadt Coesfeld sprechen, dann sprechen wir nicht nur über Zahlen. Wir sprechen darüber, wie wir als Stadt mit Verantwortung umgehen. Für unsere Kinder. Für Menschen in schwierigen Lebenslagen. Und für alle, die mit ihrer Arbeit jeden Tag dazu beitragen, dass Coesfeld funktioniert.
Zu Beginn möchte ich eines deutlich sagen: Wir sind dankbar, mit Frau Mittmann eine engagierte und vorausschauend denkende Kämmerin zu haben. In Zeiten wachsender finanzieller Herausforderungen braucht es Menschen, die nicht nur verwalten, sondern auch den Mut haben, Perspektiven aufzuzeigen. Die von ihr eingebrachten strategischen Ansätze für die kommenden Jahre bewerten wir ausdrücklich positiv.
Coesfeld investiert in die Zukunft. Der Ausbau der OGS-Betreuung und die Modernisierung unserer Schulen sind Investitionen in Chancengleichheit, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und in den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese Investitionen sind richtig und notwendig.
Aber politische Verantwortung bedeutet auch, Grenzen zu benennen. Wenn Modernisierung fast automatisch mit Millionenbeträgen verbunden ist, dann müssen wir uns fragen, ob wir immer den richtigen Maßstab anlegen. Ausbau ja. Aber mit Augenmaß, mit Prioritäten und mit dem Blick auf das Machbare.
Ein klares Bekenntnis geben wir zur Feuerwehr. Die zusätzlichen Stellen tragen wir ausdrücklich mit. Sicherheit ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Gemeinwesen.
Gleichzeitig müssen wir kritisch auf die Entwicklung der Verwaltung schauen. Wenn neue Stellen gefordert werden, etwa in Form eines Projektmanagements, erwarten wir zuerst eine ehrliche Prüfung, ob diese Fähigkeiten nicht bereits im Haus vorhanden sind. Eine wachsende Verwaltung darf nicht zur Antwort auf jede neue Herausforderung werden.
Ein besonders sensibles und gesellschaftlich relevantes Thema ist die Obdachlosenunterkunft in Harle. Hier geht es nicht nur um Gebäude, sondern um Menschen. Um Würde. Um Verantwortung. Und genau deshalb müssen Entscheidungen hier besonders sorgfältig getroffen werden.
Für die Modernisierung der Unterkunft stehen aktuell rund 2,7 Millionen Euro im Raum. Gleichzeitig findet sich in einer Sitzungsvorlage der Hinweis, dass ein Neubau an anderer Stelle mit etwa 3,1 Millionen Euro beziffert wurde. Wir sagen klar: Eine einzelne Zahl in einer Vorlage reicht nicht aus, um eine Entscheidung dieser Tragweite zu treffen.
Wir erwarten von der Verwaltung eine umfassende, transparente und belastbare Prüfung. Mit klaren Kostenvergleichen, langfristigen Perspektiven und einer ehrlichen Bewertung der Standorte. Alles andere würde unserer Verantwortung gegenüber den Menschen und gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern nicht gerecht.
Wir müssen uns nichts vormachen. Die drohende Haushaltssicherung ist real. Sie wird uns in den kommenden Jahren mit großer Wahrscheinlichkeit treffen. Umso wichtiger ist es, jetzt strategisch zu handeln und nicht von Jahr zu Jahr Entscheidungen aufzuschieben.
Trotzdem gilt: Auch unter den Bedingungen einer Haushaltssicherung müssen Investitionen in Bildung und Infrastruktur möglich bleiben. Der Standort Coesfeld darf nicht kaputtgespart werden. Kinder, Familien und eine funktionierende Stadt dürfen nicht die Leidtragenden kurzfristiger Sparlogik sein.
Politik bedeutet für uns, Verantwortung zu übernehmen. Nicht alles, was wünschenswert ist, ist finanzierbar. Aber alles, was wir beschließen, muss gut begründet, gerecht und zukunftsfähig sein.
Wir lehnen den Haushalt ab.
Dafür stehen wir.
Vielen Dank